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Traumland der Phantasie

Wer im Traumland geboren
ist, das ihn hütet und hält,
wurde zum Höchsten erkoren:
Herrscher zu werden der Welt.

Aber als solcher gesehen
nicht, und nur selten erkannt,
nimmt er die Schöpfung zu Lehen
dienend aus Gottes Hand.

Träumen sind Grenzen Planeten
nicht, keine Sonnen zu weit,
überm Bereich der Raketen
zwingen sie Räume und Zeit.

Macht kann ihnen nicht wehren,
Elend schliesst sie nicht aus;
in allen Ländern und Meeren
sind ihre Zauber zu Haus:

Thule mit seinen Geisern,
heiserem Robbengeschrei,
Hütte aus Palmblatt und Reisern,
Martinique und Hawai.

Märchenwald von Korallen
heiteres Eiland umschliesst,
wo man nach Wunsch und Gefallen
Wonnen der Liebe geniesst.

Jetzt unter schattigen Tannen
rasten, dann wie im Nu
jagen in heissen Savannen
Löwen, Giraffen, das Gnu.

Reisen mit Karawanen,
Sand und nur Sonne sehn;
Tropischer Urwald, Lianen,
Schlangen und Orchideen.

Grasbestandene Weiten,
darauf das äsende Vieh;
Saitenklänge begleiten
Lieder voll Melancholie.

Stehn, wo der eisverpackte
Gipfel mit Wolken sich mischt,
stürzen, wo Katarakte
donnern in sprühendem Gischt.

Wiegen mit Falten und Hummeln
sich zwischen Farben und Duft,
dann mit Delphinen sich tummeln,
teilen mit Adlern die Luft.

Unter geschweiften Dächern
Verse des Li T'ai-pe
und in verschwiegenen Gemächtern
Weisheit des Kung-fu-tse,

feiern auch in Palästen
voller betörender Pracht
mit den erlesensten Gästen
manche berauschende Nacht.

Zaubern mit trunkenen Sinnen
Wunder der Musen hervor;
Worte und Töne gewinnen,
Bildnisse - Auge und Ohr.

Sich auch versenken in Wonnen
gläubiger Andacht, entrückt
werden wie Mönche und Nonnen
Irdischen, seelenverzückt.

Müssen auch Qualen erdulden,
wo alle Freude vereist.
Mit oder ohne Verschulden:
Leiden härten den Geist.

Sammeln aus Höhen und Tiefen
Mächte und Kräfte zuhauf.
Wünsche, Gedanken, die schliefen,
wecken die Träume auf.

Lassen die kühnsten Maschinen
werden durch Menschenverstand
und mit Ergebnissen dienen
schnellern, als der sie erfand.

Staaten können sie lenken,
wo, aller Armut entrückt,
Menschen Vertrauen sich schenken,
Eintracht alle beglückt.

Bilden in ihren Bereichen
Wirkliches zum Ideal,
nur unter ihrem Zeichen
wird das Vollkommene real. -

Nüchternes Leben verklärst du,
Wunder, verweigere dich nie
Reichtum und Reiz nur gewährst du, -
Traumland der Phantasie.

Willy Wirth