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Der Diktator

Verwirrt und ratlos sass die kluge Schar,
die sich das Volk mit seinen Stimmen kührte,
als in Bedrängnis wachsender Gefahr
nur die verwegne Tat zum Ziele führte.

Zu leisten blieb, wovor den Guten graut.
Da trat e r aus der Reihe der Epheben,
und einzig s e i n e Stimme wurde laut:
"Ich hafte für den Sieg mit meinem Leben!" -

Die Feinde standen in den Grenzbezirken,
er musste eilen mit geringer Macht,
mit kühnen Mannen grause Wunder wirken:
Drei Tage währte eine blutge Schlacht. -

Zuerst umjauchzt, vereinsamt dann, gemieden,
weil alle Schwäche seine Rute trifft.
Selbst von den Seinen Tisch und Bett geschieden. -
Schon wartet auf sein Leben Dolch und Gift.

Er findet in der Liste der Empörer,
die ihm ins Schlafgemach der Scherge trug,
ein teures Namenpaar. - "Auch ihr Verschwörer?" -
Er richtet sie mit einem Federzug.

Man führt den Freund, den Bruder aus dem Kerker
zum Blutgerüst, wo sich das Mordbeil hebt.
Das Eisen fällt. - Er steht am offnen Erker,
an seine Auge keine Wimper bebt.

Da dringt der Schimpf "Tyrann" zu seinen Ohren. -
"Ich hab verpfändet euch mein Blut
und muss vollenden, was ich euch geschworen.
Ich schlafe nachts auf meinem Kissen gut.

Nur, wenn der innere und äussere Streit
verderblich endet, hab ich nur verwegen
umsonst geopfert, seht ihr mich bereit,
das eigne Haupt auf das Schafott zu legen."

Willy Wirth